Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Johann Rudolf Schneider

Juragewässer - Seeland - übrige Orte - Erste Juragewässerkorrektion - Inlandpolitik - Juragewässerkorrektionen - Lokalpolitik - Persönlichkeiten - Politische Aktivitäten - Räte




Im Meienried, am einstigen Zusammenfluss von Aare und Zihl, wurde Johann Rudolf Schneider am 23. Oktober 1804 geboren. In Büren besuchte er die Stadtschule und bildete sich später, nach einer Apothekerlehre in Nidau, in Bern und Berlin zum Arzt aus, bevor er nach Nidau zurückkehrte.

Bald schon gehörte er dem Nidauer «Schutzverein» an, der angesichts der verheerenden Überschwemmungen im Seeland 1824 eine eindringliche Bittschrift an die Berner Regierung gerichtet hatte. 1832 beschloss der Verein, unter Mitarbeit Schneiders, den Gedanken der Korrektion der Juragewässer in der Bevölkerung bekanntzumachen. 1836, vom Wahlkreis Büren in den bernischen Grossen Rat gewählt, reichte Schneider eine Motion zur Förderung der Juragewässerkorrektion ein. Ein Jahr später wählte ihn das Kantonsparlament zum Präsidenten der neu geschaffenen Juragewässerkommission und kurze Zeit darauf zum bernischen Regierungsrat.

Schneiders Zielstrebigkeit lässt sich daran ablesen, dass schon 1838 Bericht und Anträge der Juragewässerkommission gedruckt und im Frühjahr 1839 vom Grossen Rat in zustimmendem Sinne verabschiedet werden konnten. Die Einsicht in die Notwendigkeit einer Gesamtkorrektion hatte Schneider in der Zwischenzeit in weiten Bevölkerungskreisen geweckt.

Offen blieb aber immer noch der Entscheid, ob eine durchgreifende Korrektion auf der Strecke Aarberg-Lyss-Büren-Solothurn oder die Ableitung der Aare in den Bielersee und der Bau eines Nidau-Büren-Kanals zu wählen sei. Klärend wirkte in dieser Frage die Berufung des Bündner Wasserbauingenieurs La Nicca. Er galt als einer der fähigsten Ingenieure Europas und hatte seine beruflichen Fähigkeiten bei den Korrektionsarbeiten an Rhein und Linth sowie in Deutschland und Italien bereits vielfach unter Beweis gestellt hatte.

Politische Auseinandersetzungen im Vorfeld der bernischen Verfassungskämpfe von 1846, engstirnige Landesteilinteressen, die Freischarenzüge und das Ringen um eine Bundesverfassung führten in den folgenden Jahren allerdings dazu, dass sich die weiteren Korrektionsvorbereitungen verzögerten. Im Dezember 1863 kam es indessen zu einer Einigung, die es der Bundesversammlung ermöglichte, das Projekt La Niccas zu verabschieden. Erst vier Jahre später fasste die Bundesversammlung aber den Beschluss, die Juragewässerkorrektion durchzuführen.

Im Jahr 1878 lud die bernische «Direktion der Entsumpfungen» den unermüdlichen Kämpfer Dr. Johann Rudolf Schneider zur Eröffnung des Leitkanals Aarberg-Hagneck ein, der einen Teil des Aarewassers in den Bielersee ableitete. Das Werk der Ersten Juragewässerkorrektion kann für das Seeland als wichtigstes Ereignis des letzten Jahrhunderts gewertet werden, da es die entscheidende Grundlage für die spätere Entwicklung der Region darstellt.

Dr. Johann Rudolf Schneider starb am 14. Januar 1880 in Bern.

Zum Weiterlesen:

Hans Fischer, "Dr. med. Johann Rudolf Schneider", Verlag Paul Haupt, Bern, 1963

Matthias Nast, "überflutet-überlebt-überlistet, Die Geschichte der Juragewässerkorrektionen", Verein Schlossmuseum Nidau, 2006

Rolf Holenstein, Ochsenbein, Erfinder der modernen Schweiz, Echtzeit Verlag, Basel 2009



Autor: Diverse / Quelle: -1848