Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Chronik zur Bieler Geschichte, 19.Jahrhundert

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1813 Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober) sind sämtliche Franzosen aus Biel verschwunden. Der Bieler Rat beschliesst, fortan wieder Ohmgeld und Einsassengeld einzuziehen und Zölle zu erheben.

1814 Durchzug der österreichischen und russischen Truppen. Einquartierungen und Requisitionen, ausserdem eine Typhusepidemie (innert drei Monaten fallen ihr 123 Bielerinnen und Bieler sowie 200 fremde Soldaten zum Opfer).

1814 und 1815 Georg Friedrich Heilmann wird als Beauftragter der Stadt Biel an den Wiener Kongress entsandt.  Heilmann setzt sich vergeblich für die Schaffung eines selbständigen Kantons Biel ein, der vor allem den reformierten Teil des Bistums Basel umfassen sollte. Biel wird stattdessen zum bernischen Amtsbezirk Nidau geschlagen, Amtssitz ist das Städtchen Nidau.

1815 Unterzeichnung der Urkunde betreffs Vereinigung des Juras samt Biel mit der Republik Bern. Zwar wird Biel der bernischen Gesetzgebung unterstellt, aber das Bieler Gemeindereglement bleibt unverändert beibehalten.

1816 Dank der Initiative der Bieler Grossräte Georg Friedrich Heilmann und Rudolf Neuhaus beschliesst die Berner Regierung, in Biel ein Gymnasium zu errichten. Dieses wird im September 1817 eröffnet.

1823 Gründung der Ersparniskasse Biel, auf Initiative von Rudolf Neuhaus.

1825 bis 1829 Regulierung der Schüss in Biel. Dabei entsteht der grosse Schüsskanal.

1830 Im Juli kommt es in Paris zu revolutionären Veränderungen. Im Dezember treffen sich Abgeordnete aus dem Seeland und dem Südjura im „Weissen Kreuz“ in Biel. Die Versammlung steht unter der Leitung von Dr. Cäsar Blösch und Karl Neuhaus. Sie verlangt von der Berner Regierung, unverzüglich eine freiheitliche, demokratische Verfassungsrevision an die Hand zu nehmen.

1831 Im Januar treffen sich 1500 Männer aus dem ganzen Kanton in Münsingen. Diese Versammlung verlangt die demokratische Neugestaltung des Kantons Bern und die Schaffung eines Verfassungsrats. Die Regierung lenkt ein.
Im Verfassungsrat spielt der Bieler Karl Neuhaus eine führende Rolle – die bernische Verfassung von 1831 ist zum grössten Teil sein Werk. Noch im selben Jahr wird Neuhaus in den Grossen Rat, dann in den Regierungsrat gewählt.
Gemäss der neuen Verfassung werden das Ohmgeld und das Einsassengeld abgeschafft.

1832 Die Stadt Biel wird vom Amtsbezirk Nidau abgetrennt. Zusammen mit Bözingen, Leubringen und Vingelz bildet Biel fortan einen eigenen Amtsbezirk, Biel wird Amtssitz.

1836 Ein kantonales Gesetz bedeutet das Ende für den Bieler Zoll. Diese Gebühren werden gegen den Widerstand der Bieler Burger abgeschafft.

1833 Gemäss dem neuen bernischen Gemeindegesetz kommt es auch in Biel zur Trennung von Einwohnergemeinde und Burgergemeinde.

1838 Während des Napoleonhandels droht Frankreich mit militärischer Intervention. Auf Initiative Ernst Schülers wird darauf ein Freikorps gebildet, dieses versammelt sich im Rathaussaal.

1841 Zwei Bieler werden als Vertreter des Kantons Bern an der Tagsatzung bestimmt: Erstens Schultheiss Karl Neuhaus, zweitens Grossratspräsident Eduard Blösch.

1842 Einführung der Uhrenindustrie in Biel durch Ernst Schüler. In Schülers Werkstatt werden vorerst vor allem Wand- und Tischuhren hergestellt.

1843 Eröffnung der burgerlichen Armenerziehungsanstalt im Berghaus.

1844 Im Dezember beginnt der erste Freischarenzug gegen den katholisch-konservativ regierten Kanton Luzern. An führender Stelle dabei sind Ulrich Ochsenbein, Regierungsstatthalter Alexander Schöni, Ernst Schüler und Johann Philipp Becker. Weil die liberale Erhebung in Luzern scheitert, kehren die Bieler Freischärler von Solothurn aus nach Hause zurück.

1845 Ende März kommt es zum zweiten Freischarenzug. Unter dem Befehl von Ulrich Ochsenbein stehen auch etwa 50 Bieler, darunter Ernst Schüler und August Weingart. Sie stossen bis nach Buttisholz und Grosswangen vor, müssen sich aber nach dem Scheitern des Freischarenzugs zurückziehen. Von den 105 gefallenen Freischärlern sind 3 Bieler.

1846 Annahme der neuen Verfassung des Kantons Bern mit 34 000 Ja gegen nur etwa 1200 Nein. Das bedeutet einen grossen Sieg für die Jungradikalen um Ulrich Ochsenbein und Jakob Stämpfli über die konservativ eingestellten Liberalen unter Karl Neuhaus. Neuhaus zieht sich ins Privatleben zurück.

1847 Während des Sonderbundskriegs organisiert Biel eine Bürgergarde, geführt von Hauptmann Scholl. Unter Dr. Cäsar Blösch wird ein Militärspital eingerichtet.
Biel engagiert sich auf der Seite der Tagsatzung, unter anderem mit Ernst Schüler, der sich als Stabssekretär der Reservedivision Ochsenbein bewährt.
Nach der Beendigung des Sonderbundskrieges wird General Dufour zum Ehrenbürger von Biel ernannt. Die verlängerte Schulgasse (früher Hintergasse) wird in „Dufourstrasse“ umbenannt.

1848 Mehrere Bieler beteiligen sich am badischen Aufstand von Struve und Hecker, darunter Johann Philipp Becker und Ernst Schüler. Sechs von ihnen werden dafür bestraft, zum Beispiel mit der Verweisung aus dem Kanton.

1852 In Biel wird zum ersten Mal eine telegraphische Depesche aufgegeben. 

1855 Erscheinen des Werks „Geschichte der Stadt Biel“ von Cäsar Adolf Blösch.

1856 und 1857 Während des „Neuenburger Handels“ wird ein ansehnliches Freikorps in Biel stationiert. Biel und Bözingen werden mit zahlreichen eidgenössischen Truppen belegt.

1857 Eröffnung der Eisenbahnlinie Biel-Solothurn-Herzogenbuchsee (Centralbahn). Er erste Bahnhof befindet sich am Oberen Quai.

1858 Eröffnung der Filiale Biel der Berner Kantonalbank.

1862 Bau des Gaswerks durch eine Privatgesellschaft, an der die Stadt beteiligt ist. Das Gas wird nur für die Beleuchtung der Strassen genutzt.

1866 Das Spital im Pasquart wird eröffnet.

1871 Im Februar gelangen etwa 10 000 Soldaten der französischen Bourbaki-Armee nach Biel. Sie werden in der Kirche, im Schützenhaus und in der Turnhalle verpflegt.
1873 Eröffnung der Uhrmacherschule Biel.

1874 Der Stadtrat der Gemeinde Biel trifft sich zu seiner ersten Sitzung.

1877 Gründung des Pferdetrams für die Verwirklichung einer rascheren Verbindung zwischen Biel, Bözingen und Nidau.
1884 Erste Verbindung per Telefon zwischen Biel und Bern.

1887 Eröffnung der Drahtseilbahn Biel-Magglingen – es handelt sich um eine der ersten Seilbahnen der Schweiz.

1890 Das Technikum für die Westschweiz wird offiziell eröffnet.

1890-92   Verstärkung des Schüsskanals mit Mauern aus Steinquadern. 
 
1894    Die Fahrradfabrik « Cosmos » an der Aebistrasse nimmt ihre Tätigkeit auf. Gründung der Elektrizitätsversorung der Stadt Biel.

1898 Eröffnung der Drahtseilbahn Biel – Leubringen.

Quellen:

Bleuer H. (1952). Hauptdaten der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschichte der Stadt Biel
Kaestli T. (2014). Vom Festhalten an Privilegien. In: Bieler Tagblatt, 20. Januar 2014


Autor: Christoph Lörtscher / Quelle: Christoph Lörtscher, Biel 2014