Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Chronik zur Bieler Geschichte, 18. Jahrhundert

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Chronik zur Bieler Geschichte, 18. Jahrhundert

1734 Johann Christoph Heilmann aus Marburg gründet die erste Buchdruckerei in Biel. Heilmann, ein Mitarbeiter von Diderot et d’Alembert, druckt im Haus Schmiedengasse 2. 

1747 Gründung der Indiennemanufaktur im Pasquart durch die Herren Roter und Wildermeth.

Um 1750 Biel zählt etwa 1700 Einwohner, die vor allem vom Rebbau, der Landwirtschaft, dem Handwerk und dem Gewerbe leben. Die Industrie ist bloss mit dem Drahtzug und der Indiennefabrik vertreten. Handwerk und Gewerbe sind durch eine strenge Handwerksordnung reglementiert. Wegen der fehlenden Gewerbefreiheit werden Neuerungen verunmöglicht.
Die Einnahmen der Stadt stammen vom Ohmgeld (= Konsumentensteuer, insbesondere auf Wein), von den Zöllen, den Pachtzinsen, dem Ertrag aus dem Salzhandel und den Bussengeldern.

1751 Der Fürstbischof führt einen Postdienst von Basel nach dem Erguel ein. Biel beauftragt die von der Familie Fischer geführte bernische Post, den Postverkehr der Stadt zu organisieren. Während Jahrzehnten kommt es zu Klagen wegen Verzögerungen und zu teuren Tarifen. 

1757
Letzter Hexenprozess in Biel. Die Angeschuldigte, Frau Villars aus Leubringen, wird zwar freigesprochen, aber auf Lebenszeit aus dem Gebiet der Meierei Biel verbannt.

1761 Gründung der Ökonomischen Gesellschaft. Diese setzt sich zum Ziel, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Landwirtschaft zu verbessern. 

1765 Gründung der Moralischen Burgerbibliothek. Nach zwölf Jahren umfasst die Bibliothek 300 Werke.

1776 Besuch des neu gewählten Fürstbischofs Ludwig von Wangen-Geroldseck in Biel. Die Stadt feiert den Anlass mit Paraden, Ansprachen und Treueschwüren, ausserdem mit Tanzanlässen und aufwändigen Festessen. Die Kosten von 3328 Kronen entsprechen etwa den gesamten Einnahmen der Stadt.

1792 Ein Vertrag mit Sigismund von Roggenbach bezeichnet die Stadt Biel als gleichberechtigten Vertragspartner des Fürstbischofs. Damit wird das Amt des Meiers rein repräsentativ. 

1792  Besetzung des nördlichen Teils des Bistums Basel durch Frankreich. Fürstbischof Sigismund von Roggenbach flieht via Biel nach Konstanz.
Biel versucht, das Erguel anzugliedern. Weil die Stadt auf ihrer Vorherrschaft beharrt, bleiben die Verhandlungen mit den Gemeinden des Erguels lange Zeit ohne Ergebnis. Als Biel endlich ein Einlenken signalisiert, ist es zu spät.

1797 Auf Befehl des Direktoriums besetzt General de Saint-Cyr den ganzen Südjura. Die bisherigen bischöflichen Rechte in Biel werden fortan von Frankreich ausgeübt, neuer Meier wird der Assignateninspektor Bresson.

1798 Am 6. Februar ergibt sich die Stadt Biel ohne Gegenwehr den durch das Obertor einziehenden französischen Truppen unter General Gouvion. Am 7. Februar beschliessen der Kleine und der Grosse Rat die Vereinigung Biels mit der „Fränkischen Republik“. Auch die Zünfte und die Gemeinden Bözingen, Leubringen und Vingelz unterstützen diesen Beschluss.

Biel wird fortan zum Hauptort des „Canton de Bienne“, der 18 Gemeinden umfasst (zum Beispiel Neuenstadt, Lamboing, Péry, Romont, Pieterlen, Reiben und Meinisberg). Sigmund Wildermeth wird durch Volkswahl Präsident der Munizipalität des Kantons Biel.

Noch im selben Jahr werden viele Güter der Gemeinde, der Kirche und der Zünfte versteigert.
Das Bieler Zollprivileg wird aufgehoben, ebenso das Ohmgeld und das Einsassengeld. Stattdessen erhebt Frankreich Steuern, die vor allem die Wohlhabenden treffen.







Quellen:

Bleuer H. (1952). Hauptdaten der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschichte der Stadt Biel
Andres D. (1978). Biel – Veränderungen, Aarau, Sauerländer
Müller G. Biel (1961). Biel in Vergangenheit und Gegenwart, Bern: Verlag Paul Haupt
Kaestli T. (2014). Vom Festhalten an Privilegien. In: Bieler Tagblatt, 20. Januar 2014



Autor: Christoph Lörtscher / Quelle: Christoph Lörtscher, Biel 2014