Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Cäsar Adolf Blösch (1804 - 1863)

Stadt Biel - Literatur - Lokalpolitik - Persönlichkeiten - Schule und Bildung




Der Politiker und Historiker Cäsar Adolf Blösch wurde am 5. Dezember 1804 in Biel geboren, am 10. November 1863 verstarb er in seiner Heimatstadt.

Kindheit, Jugend, Ausbildung

Schon im Alter von neun Jahren verlor Cäsar Adolf Blösch seinen Vater – der Arzt Johann Alexander Bloesch wurde am 21. Februar 1814 Opfer einer Typhus-Epidemie, die von den durchmarschierenden alliierten Truppen eingeschleppt worden war. Glücklicherweise konnte seine Mutter Marie-Luise Blösch-Moser im Jahr 1817 die Leitung des Pensionats des ersten Bieler Gymnasiums übernehmen. Wie sein jüngerer Bruder Eduard absolvierte Cäsar Adolf Blösch das Gymnasium, wo er durch seinen Fleiss und durch seine ausgezeichneten Leistungen auffiel. Im Frühling 1821 verliess er Biel, um in Zürich, Göttingen, Berlin und Paris Medizin zu studieren.  

Berufstätigkeit und öffentliches Engagement

Ab 1827 wirkte Blösch als Arzt in Biel, wo er sich am 1. Dezember mit Elisa Pugnet verheiratete. Ihrer Ehe entsprossen eine Tochter (Marie Elise Clémence, 1831) und ein Sohn (Karl Julius, 1844). Blöschs berufliches Engagement ist nicht nur in seinem Praxisjournal, sondern auch zahlreichen medizinischen Schriften dokumentiert. In seiner freien Zeit betrieb er botanische Studien und unterrichtete die Bieler Gymnasiasten ehrenamtlich in Botanik. Ab 1828 kümmerte er sich ausserdem um die Burgerbibliothek.

In den folgenden Jahren interessierte sich Blösch zunehmend für die Politik – als Anhänger der Radikalen gehörte zu den Befürwortern der Regeneration, später näherte er sich liberal-konservativem Gedankengut. 1854 bis 1862 amtierte er als Gemeindepräsident. In dieser Funktion trug er 1855 entscheidend zum Gelingen des Ausscheidungsvertrags zwischen der Burgergemeinde und der Einwohnergemeinde bei. Der lange andauernde Streit um den Standort des zweiten Bahnhofs belastete Blösch so sehr, dass er im Jahr 1862 seine öffentlichen Ämter niederlegte.

Vielseitiges Wirken im Dienst der Lokal- und Regionalgeschichte

In ganz besonderem Ausmass engagierte sich Blösch für die Geschichte seiner Stadt und seiner Region. Die Bestände des lange verwahrlosten Stadtarchivs dokumentierte er 1840 in einem systematischen Register. Zudem hielt er Vorträge und publizierte er zu historischen Themen, zum Beispiel über Petinesca (1830), über die liberale Erneuerung in Biel um 1830/31 und über die Eingliederung seiner Heimatstadt in den Kanton Bern in den Jahren 1814 und 1815. Sein grösstes und bedeutendstes Werk, die dreiteilige „Geschichte der Stadt Biel und ihres Panner-Gebietes“, erschien in den Jahren 1855 bis 57. Nebst seinen Werken erinnert noch heute ein ganz spezielles Gebäude an den bedeutenden Bieler Stadthistoriker: Das „Blöschhaus“ an der Mühlebrücke, der Arbeitsort des Bieler Stadtpräsidenten und des Gemeinderates, wurde 1840 von ihm erworben und zu einem Zentrum des geistigen Lebens der Stadt gemacht.


Quellen:

W. und M. Bourquin (1999). Stadtgeschichtliches Lexikon. Biel, Büro Cortesi
W. Bourquin (1973). Das Legat Wartmann. In: Neues Bieler Jahrbuch 1973, 39-43
Eduard Blösch (1872). Dreissig Jahre Bernische Geschichte. Bern, Dalp’sche Buchhandlung

 

 

 



Autor: Christoph Lörtscher / Quelle: Diverse 2013